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Destroy Degenhardt - Otaku Shore / Silke Bischoff Deluxe (Audiolith)
Destroy Degenhardt - Otaku Shore / Silke Bischoff Deluxe
Digital Download Album  

Otaku Shore / Silke Bischoff Deluxe

Destroy Degenhardt (Audiolith)

VÖ-Datum: 13.09.2017

Musikstil: Hip Hop / Rap

Artikelnummer: 5000014225

 

"Degenhardt gibt es nicht." Nur konsequent, dem Namen "Degenhardt" ein "Destroy" voran zu stellen, wenn auch vielleicht nur für diese eine Nacht. Am Morgen danach kann leicht alles schon wieder ganz anders aussehen. Wer sich auf den Mann mit der schönsten Maske und den tiefsten Augen einlässt, muss aber ohnehin auf den Moment vertrauen. Ob in seinem von Kratern durchfurchten Fantasia jemals wieder die Sonne aufgeht: Niemand kann das mit Sicherheit sagen. Ist auch zweitrangig: "Das Handbuch des Giftmischers" gehört in die Nacht. Um an diesen Punkt zu gelangen, wählte Destroy Degenhardt verschlungene Pfade durch Hip Hops Untergrund. Wer den Weg des Ostberliner Rappers aus Düsseldorf über fünf Alben und drei EPs bis hierher verfolgt hat, weiß: "Mein Film ist immer bisschen schief, aber warm und dunkel." Sein Regisseur schont niemanden: seine Kollegen nicht, sein Publikum nicht, sich selbst am allerwenigsten: "... ich bau' mir mein eigenes Schlachtfeld." Destroy Degenhardt bedeutet: sich erst das eigene wahnsinnige Herz aus der Brust reißen, dann allen anderen. Wer sich jemals mit Suchtproblematik, mit Kontroll- und Distanzverlust und dem ununterbrochenen, irrsinnig ermüdenden Ringen um ein kippeliges inneres Gleichgewicht konfrontiert sah, weiß Bescheid. Wer die unterschiedlichen Arten von Einsamkeit kennt, die verzweifelte Sehnsucht nach Verständnis, nach Anerkennung, nach der alles überstrahlenden, verrückten großen Liebe oder doch wenigstens nach halbwegs freundlicher Gesellschaft für die nächsten Stunden, kann nicht ignorieren, dass sich in Degenhardts zerstörerischen Abgründen immer auch die eigenen spiegeln. In gestochener Schärfe. "Mein Kopf ist mein Gott ist mein Feind ist mein Teufel auf Zeit, der letzte Freund, der mir bleibt." Die Themen düster, die Tracks entsprechend beklemmend, die Texte planlos, hilflos, rastlos, ratlos: stimmt alles, ja. Trostlos dagegen: niemals. Im Gegenteil: Degenhardts lyrische Umarmung, immer hart an der Grenze zum Würgegriff und hin und wieder drüber, wirkt ungeheuer tröstlich. In seiner Sofakissenburg finden die angeknacksten Seelen Zuflucht, die Junkies, die Psychos, die Punks, die weltfremdelnden traurigen Träumer, die an der Tanke oder auf dem Aldi-Parkplatz gestrandeten Existenzen, die er unterwegs im Licht schmutziger Neonröhren aufgeklaubt hat. Außerdem wohnen dort, wo das goldene Kind von Robert Smith und Freddy Krüger zur Akustikgitarre Slime-Songs anstimmt, die Geister von Elvis und David Bowie und den Dead Kennedys und Daily Terror und NMZS: Anspielungen und Querverweise lauern allüberall. Seine Liebe verteilt Degenhardt großzügiger als alle anderen zusammen. Genau so uferlos fällt aber seine Verachtung aus. "Deine Anti-Action-Argumente kann ich nicht mehr hören", schleudert er denen entgegen, die crazy oder cool sein wollen, dafür aber nichts oder nur wenig zu tun bereit sind. Von dieser Sorte grenzt er sich ab, ganz entschieden: "Fick dich. Ich habs wenigstens versucht. " Degenhardt schuftet seit Jahren weitgehend auf sich allein gestellt im Untergrund. Das bedeutet jedoch nicht, dass er ganz alleine dasteht. Bei der Umsetzung der drastischen sprachlichen in akustische Bilder hilft auch diesmal wieder sein langjähriger Wegbegleiter Hiro MA, auf dessen Konto der Großteil der finster um die Knöchel wabernden Produktionen geht. Er strickt Degenhardts verschrobene Samples und Zitate zu stimmigen Einheiten, die eine drängende Frage aufwerfen: Warum hat nicht längst eine ganze Armada anderer Rapper diesen Produzenten aufgestöbert, aus seinem Kellerstudio gezerrt und zur Fronarbeit verdonnert? Die wenigen Beats, die nicht Hiro MAs Reglern entstammen, fügen sich nahtlos ins runde Gesamtbild. "Puaka Starlight" lässt Gossenboss mit Zett erstrahlen, Degenhardts Dauer-Reisegefährte auf der niemals enden wollenden "100 Kilo Hurensohn"-Tour. Dessen Kollaborateur Monkay liefert den Sound zu "Fuchur 2". Den Featurepart hier übernimmt Koljah, Antilopen-Gangster und fraglos ebenfalls ein nur zu profunder Kenner der abgehandelten Materie. Wenn "Die Nacht der langen Messer" anbricht, hilft Yaesyoah bei der Jagd auf die Blair Witch. Die Kamikazes, mit denen Degenhardt auf "Krahter" 2016 schon auf EP-Länge harmonierte, setzen den Track musikalisch in Szene. Der Mentor der Brüder, Prezident, schaut vorbei, um in "Carhartt Depression" energisch ein paar verschobene Prioritäten wieder geradezurücken. So bleibt alles in der Familie: Saufen und zerstören. Glitzern und explodieren. Dreck von Herzen. Ehrliche Hassparolen. Ehrliche Liebesbriefe. "Ich kann nichts außer das hier", behauptet Destroy Degenhardt. Mag sein. Andere können das nicht.

Tracks auf diesem Album

 

1

Destroy Degenhardt

Otaku Shore

00:04:07

Destroy Degenhardt - Otaku Shore

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2

Destroy Degenhardt

Silke Bischoff Deluxe

00:03:34

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